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Reisebericht: Rund um den Baikalsee plus Transsib

Es gibt Träume, die sich manchmal erst im fortgeschrittenen Alter erfüllen. So geschehen auf einer Reise mit der Transsib zum Baikalsee.

Sechs Eisenacher machten sich auf in den fernen Osten des Russischen Reiches mit einer anschließenden Visite in die Mongolei. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte. Diamir macht’s möglich!

In Moskau in die Transsib

Zunächst mit dem ICE nach Berlin, dann per Flug nach Moskau und schon gibt es die ersten 2 Stunden Zeitverschiebung. Der Flughafen „Moskau Scheremetjewo“ ist ein gigantisches Areal. Die avisierte Ansprechpartnerin vor Ort war da und übergab uns die Tickets für die Bahnfahrt nach Ulaan Baatar. Die Online-Tickets für die Fahrt mit der Transsib nach Irkutsk und Ulan Ude hatten wir schon.

Erst einmal ging es mit dem Auto zum Bahnhof „Jaroslawl“. Unser erster Eindruck von Moskau: riesig! So eine abendliche Fahrt zur Rush-hour am Mittwochabend hatte schon was Abenteuerliches. Der Fahrer, ständig online mit Verkehrsinformationen, belohnte uns mit einer Stadtrundfahrt. Zum Glück waren wir nur auf der Durchreise.

Am Bahnhof machten wir uns erst einmal mit dem System der Fahrplaninformation bekannt. Hier mussten also die „verschütteten“ Russischkenntnisse ausgegraben werden, doch ohne fremde Hilfe Einheimischer hätten wir das niemals verstanden.

Dann wurde die notwendige Verpflegung für den Zug beschafft und verbotener Weise ein Bierchen in der Öffentlichkeit getrunken und auf die Ankunft der Transsib gewartet.

Eine gute halbe Stunde vor der Abfahrt wurde der Zug bereitgestellt und es passierte nun der erste und einzige „Aufreger“ der Reise.

Erst mal Online-Bahn-Tickets eintauschen

Mit Sack und Pack standen wir vor der Schlafwagenschaffnerin und wollten einsteigen, die jedoch mit einem einfachen „Njet!“ unsere Tickets ablehnte und uns mit „Dawai, dawai!!!“ zum Umtausch in reguläre Fahrkarten aufforderte. Wir hatten zwar die Online-Tickets, wussten aber nicht, dass diese in reguläre Fahrkarten der Russischen Bahn umgetauscht werden müssen. Also zwei Leute von uns im Laufschritt zum Schalter im Bahnhofsgebäude. Anstellen! Zum Glück keine Passkontrolle! Die Fahrkarten wurden in einer Seelenruhe vom Bahnhofspersonal ausgedruckt. Zurück wieder im Laufschritt! Einsteigen und schon ging es los. Geschafft! Inzwischen war auch die Oberschaffnerin da, die uns zu verstehen gab, dass es auch ohne die Fahrscheine der Russischen Bahn gegangen wäre. Na ja, Information ist alles.

Das Innenleben eines Transsib-Abteils

Die 4-Bett-Abteile der Transsib sind eng aber gemütlich. Zuerst wurden die Betten bezogen, danach die Toilette und der Samowar inspiziert. Die Wagons stammen aus Ammendorf und sind Baujahr 1995. Die Technik ist russisch, aber dank des Transsib-Handbuches nicht überraschend. Im Gang hängt ein Fahrplan über die gesamte Strecke mit den Aufenthaltsdauern auf den einzelnen Bahnhöfen. Da kann man sich zum eventuellen Einkaufen einrichten. Alles im Zug läuft nach Moskauer Zeit. Die Ortszeit muss man sich ausrechnen oder das Transsib-Handbuch wieder zu Rate ziehen oder 2 Uhren benutzen. Bis Irkutsk immerhin 5 x 1 Stunde Zeitverschiebung.

Vorüberziehende Landschaft wie im Film

In der ersten Nacht schliefen wir wenig, zu aufregend war der Start. Die Landschaft wird am Tag immer schöner. Auffallend die funktionierenden Strukturen – bearbeitete Felder, Kühe, Höfe – alles ist da. Lediglich die Ruinen der abgerissenen Ställe der Kolchosen machten ein wenig nachdenklich.

Nachts passierten wir Omsk. In Barabinsk, schon weit hinter dem Ural, wurde eingekauft: Fisch, Wurst, Brot, Obst und Bier.

Riesige Städte entlang der Trasse

Während der viertägigen Zugfahrt mit der Transsib rollten die Millionenstädte Sibiriens Nowosibirsk am Ob, Krasnojarsk mit der gewaltigen Brücke über den Jennisej (plus 4 Stunden zu Moskau) an uns vorbei. Alles Städte, die aus einem lange zurückliegenden Geografieunterricht bekannt sind. Krasnojarsk war bis vor wenigen Jahren eine gesperrte Stadt, die einen Stopp wert gewesen wäre. Aber man kann nicht alles auf einmal haben.

Endstation Irkutsk: Jetzt beginnt die Rundreise

Am 5. Tag Ankunft in Irkutsk. Hier erwartete uns Inna, brachte uns ins Hotel und nach einem ausgiebigen Frühstück folgte ein Stadtrundgang. Da durch die Zugfahrt der Zeitunterschied von 7 Stunden zu Deutschland „gestreckt“ wird, gibt es keinen Jetlag, an dem unsere anderen beiden Reisebegleiter aus Altenburg litten und deshalb erst am nächsten Tag einsatzfähig waren. Schon beim Stadtrundgang wurde klar, was für eine Perle wir mit Inna an die Seite gestellt bekamen. Perfektes Deutsch, hoch gebildet, blieb keine unserer Fragen unbeantwortet. Auffallend im Stadtbild waren die vielen jungen Menschen. Das Durchschnittsalter in Irkutsk beträgt 32 Jahre.

Am späten Nachmittag durften wir zu einem selbständigen Bummel aufbrechen. Wir fanden ein gemütliches Restaurant und speisten typisch russische Gerichte. Danach noch Wodka kaufen und wir fielen doch sehr müde ins Bett.

Arschan, die Wasserfälle am Kyngarga und buddhistische Tempel

Am nächsten Morgen war Abfahrt nach Arschan, einem Kurort im Sajangebirge in der Burjatischen Schweiz. Auf dem Weg dahin kamen wir in Kultuk zum ersten Mal an den Baikal, wo auch der erste Omul (zu den Lachsarten gehörend und nur im Baikalsee zu finden) gegessen wurde.

In Arschan eingetroffen, sahen wir die riesigen Schäden, die ein gewaltiger Erdrutsch vor gar nicht so langer Zeit verursachte. Der Kurbetrieb schien aufgrund dessen vorerst eingestellt worden zu sein. Wir unternahmen einen ersten Trip zu den Wasserfällen des Flusses Kyngarga und gewannen einen Eindruck von der zerstörerischen Kraft des Wassers.

Arschan besitzt etwas außerhalb der Stadt einen buddhistischen Tempel, während ansonsten in den umliegenden Wäldern die bunten Bänder des Schamanismus das Bild bestimmen.

Auf dem Programm stand noch ein Ausflug in das Thermalbad in Schemchug, ein riesiger Komplex mit allerlei Einrichtungen zur Vergnügung direkt am Ufer des Irkut. Auf Grund der Jahreszeit waren aber die meisten von ihnen schon geschlossen. Außerdem liegt Schemchug im Tal des Irkut weitab vom Schuss.

Ab Sljudjanka weiter auf der alten Transsib-Trasse: Nostalgisch!

Beim abendlichen Lagerfeuer nahmen wir Abschied von unseren Gastgebern und rüsteten uns zur Fahrt nach Sljudjanka.

Vom Bahnhof Sljudjanka, bekannt wegen seiner Bauweise aus weißem Marmor, geht die Trasse der alten Transsib nach Port Baikal. Ein Traditionszug fährt auf dieser alten Trasse und hält unterwegs mehrmals. Auch wir fuhren mit diesem Zug und konnten u.a. die technischen Denkmale der Ingenieurskunst besichtigen, wie Viadukte und Tunnel. In den kleinen Dörfer an der Strecke bemüht man sich, auch ein stückweit vom Tourismus zu profitieren. Von Port Baikal aus verkehrt eine Fähre über die Angara nach Listvjanka.

Schöne Unterkünfte und ein toller Museumsbesuch

An diesem Ort übernachteten wir zweimal in einem schönen Privatquartier. Generell muss man sagen, dass alle Übernachtungen, außer in Irkutsk, in Privatquartieren waren, überall sauber und bequem mit landestypischer Verpflegung.

In Listvjanka war der Besuch des Baikalmuseums mit der Demonstration einer Tauchfahrt auf 1600m Tiefe ein unerwarteter Knüller. Das Tauchboot ist im Außenbereich ausgestellt und war eine Spende der Amerikaner.

Abends feierten wir den 75. Geburtstag unserer Mitreisenden. Von Inna bekam sie eine kleine Torte geschenkt. Wie und wo das Mädchen die organisiert hatte, blieb ein Rätsel. Auf dem Markt, der übrigens ganz toll ist, gab es so etwas nicht.

Im Gelände-Wagen über die Buckelpiste auf Olchon

UAZ – legendär und unübertroffen

Ausgeschlafen ging’s per Kleinbus, vorbei am Schamanenfelsen in der Angara, über Irkutsk, durch die Taiga zur Insel Olchon, dem Hauptziel der Reise. Die Insel erreicht man mit der Autofähre und den Hauptort Chuzir über „Waschbrettpisten“. Auf ganz Olchon gibt es kein Stück Asphaltstraße, nur unbefestigte Pisten. Geländegängige Fahrzeuge sind unabdingbar. Deshalb wurde der Fahrzeugtyp auf den unverwüstlichen UAZ gewechselt, ein Fahrzeug mit unerreichter Geländegängigkeit mit maximal 9 Plätzen.

Über die Taigastraße zum Kap Choboj und der GULAG

Wieder bezogen wir ein gutes Privatquartier in der Taigastraße und es folgte eine Stippvisite durch den Ort zum Schamanenfelsen. Wir erlebten einen ersten herrlichen Sonnenuntergang. Durch das Kontinentalklima wurden wir mit frühherbstlichem, trockenem Wetter verwöhnt.

Der Programmpunkt „Fahrt zum Kap Choboj“ entwickelte sich zu einem abenteuerlichen Erlebnis. Mit dem UAZ-Allrad fuhren wir über Wege, die eigentlich keine sind. Ausgetrocknete Flussbetten, Waldschluchten mit fast ein Meter tiefen Rinnen, ließ den Mitfahrern den Angstschweiß auf die Stirn treten. Kurz hinter Chuzir endet die Stromversorgung. Die zwei kleinen Dörfchen dahinter müssen sich mit Generatoren versorgen. In einem solchen, in Pecanka, waren noch die Grundmauern eines ehemaligen Straflagers (GULAG) zu sehen, in dem Litauer interniert waren, die erst in den 60er Jahren entlassen wurden.

Typisch russisches Picknick unter Schamanenbäumen

Das Kap Choboj ist windumtost und wird von zahlreichen Schamanenbäumen umsäumt. In einer windgeschützten Senke machten wir ein Picknick und unser Fahrer Wadim hatte am Lagerfeuer eine Fischsuppe bereitet und Tee gekocht. Es folgte noch ein kurzer Abstecher zur Wetterstation „Uzur“ am Ostufer der Insel mit einem Strand, der allerdings sehr steinig ist und wegen des kalten Wassers kaum zum Baden einlud. Wieder zurück gab es am Abend Lagerfeuer mit den üblichen Getränken.

Mit dem Schiff auf die Uškani-Inseln – nichts für schwache Nerven

Am 12.Tag der Reise stand die Schifffahrt zu den Uškani-Inseln, den Robben-Inseln, und zur „Schlangenbucht“ der Halbinsel „Heilige Nase“ an.

Morgens Treff an der Mole, die etwas abenteuerlich aussah, weil sie jährlich vom Eisgang schwer in Mitleidenschaft gezogen wird und man mit den Jahren die Lust verliert, sie immer wieder herzurichten. Auf der „Altai“ ging es zunächst gemächlich durch das sogenannte „Kleine Meer“. Hinter dem Kap änderten sich die Dinge grundlegend. Schwerer Seegang bei wolkenlosem Himmel zwang zunächst die Sibirier in die „Horizontale“ und nach 4 Stunden lag alles was jünger als 55 Jahre war mit Seekrankheit flach. Da der gecharterte Koch unter diesen Umständen auch ausfiel, gab es auch kein Mittagessen. Das war aber nicht weiter schlimm, da alle mit sich selbst zu tun hatten. Mit Mütze, Schal und langer Unterhose wickelten wir uns in die Schlafsäcke und Decken und beobachteten Ufer und Seegang.

„Schlangenbucht“, Kap der „Heiligen Nase“ und ein zu heißes Thermalbad

An den Uškani-Inseln angekommen, war von den Rangern weit und breit nichts zu sehen. Bei diesem Seegang wurde kein Tourist erwartet. Auch die Robben hatten es vorgezogen, sich in tieferes Wasser zurückzuziehen. Also ging es weiter Richtung „Schlangenbucht“. Hinter dem Kap der „Heiligen Nase“ beruhigte sich der See und der Kapitän konnte sein Schiff auf den Strand setzen.

Ein Thermalbad wurde angekündigt. Dieses entpuppte sich als zwei mit Holzbohlen abgesteifte Gruben mit warmem Wasser. Eine hatte 45°C, die andere 55°C. Im 55°-Becken konnte man es nicht aushalten.

Fangfrisches Essen, eine unrühmliche Schiffsnacht und die Robbeninsel

Neben uns legte das Schwesternschiff der „Altai“ mit Anglern an, die sich auch sofort im Schlauchboot auf Fang begaben. Der erholte Koch zauberte ein köstliches Abendessen mit gebratenem Omul.

Die Nacht auf dem Schiff war nicht das Wahre. Die Hitze im Schiffsrumpf ließ keinen richtigen Schlaf zu.

Am Morgen gleich das erste Bad im Baikal, der hier nicht ganz so kalt ist und danach in die 45°C warme Grube. Frühstücken und Abfahrt Richtung Robbeninsel in der Hoffnung die Tiere endlich zu sehen.

An der Robbeninsel angekommen, wurden wir von den Rangern bereits empfangen und auf einem Holzsteg mit Gummibelag zum Beobachtungspunkt geführt. Und da waren sie. Sieben Tiere sonnten sich unmittelbar vor uns auf einem kleinen Felsen.

Nach kurzem Plausch mit den Rangern ging es wieder aufs Schiff und heimwärts Richtung Olchon, vorbei am Kap „Choboj“ mit dem „Stoßzahn“, an den “Drei Brüdern“, dem „Löwen“ und dem „Krokodil“.

Am Strand von Chuzir wurden wir nach 11 Stunden Fahrt an Land gesetzt. Abends saßen wir wieder am Lagerfeuer mit Sonnenuntergang.

Minibungalows und eine Banja am Reservetag

Der letzte Tag auf der Insel war ein sogenannter Reservetag. Es wurde beschlossen, zur Abwechslung eine Wanderung zu einem Aussichtsberg zu unternehmen. Von dort oben genossen wir einen herrlichen Blick auf den Baikal, aber auch eine Massenunterkunft in Form von Minibungalows in Kleinchuzir zeugt von der Präsenz der Tourismusbranche. Wir als Naturliebhaber lehnen zwar den Massentourismus ab, verstehen aber auch die Notwendigkeit des Broterwerbs der Bewohner, denn die Fischfabrik ist schon lange geschlossen und andere Arbeitsplätze gibt es nicht. Wild abgelagerter Müll und Schrott sind die negativen Folgen, da es keine Müllabfuhr gibt.

Noch ein Erlebnis bleibt lange haften. Auf Anraten von Inna sollten wir unbedingt eine Banja besuchen. Die in unserem Quartier, wurde gerade umgebaut, also reservierte Inna eine am Strand. Das war ein Gefährt, wie bei uns die Schäferwagen, mit eingebautem Ofen, der von außen beheizt wird und maximal 4 Personen Platz bietet. Sehr urig! Die Betreiber haben es inzwischen, dem Auto nach zu urteilen, zu ansehnlichem Wohlstand gebracht.

Nach dem Schwitzen ist das Abkühlbecken der glasklare Baikal. Doch den Aufenthalt im See sollte man dosieren. Wir, die Eisenacher Männer, sind ja so harte Kerle. Prompt holten wir uns eine saftige Erkältung, die Helgas Einsatz von der medizinischen Abteilung erforderte.

Am 9.September bestiegen wir mit viel Wehmut unseren Kleinbus und fuhren zurück nach Irkutsk.

Erste Endstation Irkutsk: Weiter in die Mongolei

In Irkutsk angekommen, konnten wir unser Gepäck in einem Hotel abstellen. Für unsere Begleiter aus Altenburg war die Reise hier zu Ende. Für uns sechs Eisenacher begann eine neue Etappe, die Reise in die Mongolei. Bevor die starten konnte, musste Inna noch ihr Organisationstalent unter Beweis stellen, da eine von unserer Gruppe auf dem Weg nach Irkutsk in einer Raststätte ihren Stadtrucksack mit Geld und EC-Karte vergessen hatte. Ein Anruf von ihr beim Fahrer und der Zusage für eine entsprechende Belohnung ließ den Rucksack mit samt dem Inhalt am nächsten Tag im Hotel bei den Altenburgern landen. Diese nahmen ihn dann mit nach Deutschland und schickten ihn dann nach Eisenach weiter. So blieben uns noch ein paar schöne Stunden in Irkutsk, bevor die Transsib Richtung Burjatischer Hauptstadt Ulan Ude abfuhr.

Do Swidania Baikal!

Vielleicht kommen wir einmal wieder, um deine unbeschreibliche Faszination einmal im Winter zu erleben.

Wir möchten uns bei Diamir für die Organisation und Durchführung der Reise bedanken. Ein besonderer Dank an Inna, die alles dafür getan hat, dass wir wunderschöne Tage am Baikal erleben konnten.

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